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Viola (Veilchen) Auszug aus Helga Urban: "Ein Garten der Düfte", BLV 1999
Veilchen sind eine ideale Verbindung von Zartheit und Zähigkeit. Sie eröffnen uns eine faszinierende Welt. Von klassisch bis ausgefallen, exotisch und extravagant ist sicherlich für jeden Geschmack sowohl bei der Farbe als auch beim Duft etwas dabei. Mit Ausnahme von Rosen und Lilien ist wohl am meisten über das Veilchen geschrieben worden. - Der Gott Vulkanus soll sich unsterblich in die schöne Venus verliebt haben, die ihn aber wegen seines Äußeren immer wieder abwehrte. Daraufhin rieb der von Liebesqualen geplagte Gott seinen Körper mit Veilchen ein und versuchte, so gesalbt, sein Glück aufs Neue. Vom Duft verzaubert, ließ sich Venus zu einem Kuß verleiten. - Kaiserin Josephine hatte ein veilchenbesticktes Brautkleid, und Veilchen waren immer, selbst über ihren Tod hinaus, das Symbol der Liebe zwischen ihr und Napoleon. - Bekannt ist, daß Goethe Veilchensamen in seiner Rocktasche trug, um ihn auf seinen Spaziergängen in Weimar zu verstreuen und "so zur Verschönerung der Welt beizutragen". (Veilchen auf diese Weise zu vermehren ist allerdings gar nicht so einfach und funktioniert nur mit ganz frischem Samen). - Der Veilchenduft ist unvergleichlich: süß, warm und romantisch, bereit, uns das Leben zu verschönern und leichter zu machen. Das Veilchen ist Symbol für Demut und Bescheidenheit. Aber in seinem Kraftfeld wirken auch die Ströme der Freude, der Erinnerung und des Besinnens. Sein Duft ist der flüchtige Mittler von der Vergangenheit zur Gegenwart. Ein Zuviel davon ist unmöglich, er ist nicht faßbar, wir nehmen ihn wahr und haben ihn schon wieder verloren. Veilchen verdienen in unseren Duftgärten viel mehr Aufmerksamkeit. Es ist schade, daß sie fast aus der Mode gekommen sind und viele entzückende Sorten verloren gingen. Eine Renaissance wäre für sie und für uns zu schön - ein Wunsch an das neue Jahrtausend. Veilchen sind leicht zu kultivieren, durch Ausläufer und Teilung entstehen neue Pflanzen. Die Hauptblütezeiten sind das Frühjahr und der Spätherbst, aber selbst dazwischen gibt es immer wieder eins zu pflücken. Veilchen verhalten sich im Reich der Blüten sehr ungewöhnlich, denn zu ihrer Fortpflanzung sind Insekten nicht erforderlich. Die Samen bilden sich in kleistogamen Blüten, die sich als unscheinbare grüne Knospen im Anschluß an die eigentliche Blüte bilden. Sie entwickeln sich darin ohne Fremdbestäubung und sind mit zucker- und fetthaltigen Anhängseln versehen und werden deshalb gerne von Ameisen verschleppt, verständlich, daß Veilchen überall im Garten auftauchen. Die "normalen" Blüten werden nur bei niedrigen Temperaturen gebildet. Steigt das Thermometer beständig über 8 °C, erscheinen stattdessen die grünen Samenkapseln. So braucht sich das Veilchen nicht auf seinen Duft zu verlassen und kann in dieser Beziehung ruhig etwas launisch sein. Und das ist es ja auch. Möglicherweise haben die Insekten die gleiche Erfahrung gemacht und wenden sich lieber verläßlicheren Blütenn zu. Den wunderbaren Veilchenduft haben wir einem Keton, einer organischen Verbindung, zu verdanken. Dieses Keton, Jonon, trübt unsere Duftwahrnehmung in sehr kurzer Zeit, so ist es nicht die Blüte, die ihren Duft einbüßt, sondern unsere Fähigkeit, ihn aufzunehmen, geht kurzfristig verloren. Beugt man sich nach einigen Minuten erneut über die Blüte, kehrt der Duft zurück, um wieder zu verschwinden, wenn er unseren Geruchssinn ermüdet hat. Nicht zuletzt hat dieses Phänomen den schwer faßbaren Veilchenduft so beliebt gemacht; ein Zuviel davon ist unmöglich.
Viola odorata (Duft-Veilchen) Das Duftveilchen ist ein Frühlingsbote, der Winter ist offensichtlich vorbei, und die Intensität seines Duftes und der dunklen, samtig-violetten Farbe zieht uns ganz in seinen Bann. - bis 15 cm
Viola suavis (Parma-Veilchen) Parmaveilchen sind die am süßesten duftenden von allen Veilchen. Hier mischt sich mit dem Veilchenduft noch der warme, balsamische Duft des Goldlacks. Ihr gesamtes Erscheinungsbild ist zarter und lockerer, das Laub ist heller, und die Ausläufer sind deutlich länger, sie eignen sich dadurch sehr gut für die Bepflanzung einer kleineren Ampel. Alle haben gefüllte Blüten, und gerade das macht ihren größten Charme aus. Für mich gehören sie mit zu den nostalgischsten Blüten. Leider findet man sie heute kaum noch. Aber unmöglich ist es nicht, und wegen ihnen bin ich trotz meiner Vorliebe für Weiß "fremdgegangen", obwohl es weiße Sorten gibt. Sie brauchen in unseren Regionen im Winter den Schutz eines Gewächshauses oder zumindest einer Glasglocke. - 20 cm
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