Rosen und Kamelien -
Kamelien für Rosenfreunde

 

Helga Urban

Von ungläubigem Staunen bis zu brüsker Ablehnung reicht die Spannweite der Reaktionen von Rosenfreunden, wenn ich in meinen Büchern oder Vorträgen oder in persönlichen Gesprächen von dem einträchtigen Nebeneinander von Rosen und Kamelien in unserem kleinen Stadtgarten in Frankfurt berichte. Und wenn ich dann im Rahmen meiner Gartenberatung die Gestaltungsmöglichkeiten mit Kamelien aufzeige, dann schlägt die anfängliche Reserve meist in helle Begeisterung um.

Das Staunen gründet sich hauptsächlich auf ein verbreitetes Vorurteil. Sind denn Kamelien nicht viel zu empfindlich, als daß man sie ins Freiland auspflanzen könnte? Nun, ganz so winterhart wie manche Rosen, z. B. die Alba-Rosen, sind Kamelien auf keinen Fall. Aber an einem günstigen Standort, bei richtiger Sortenwahl und bei richtiger Pflege, sind sie winterhärter, als viele meinen, ja sogar winterhärter als viele Rosen. Man denke nur an die großen Ausfälle bei Rosen in dem extrem harten Winter 1996/97. Auch wir haben damals mehrere Rosen verloren, aber keine einzige Kamelie!

Die Ablehnung bezieht sich zum Teil pauschal auf alles Exotische im Garten, zum Teil konkret auf die unterschiedlichen Kulturansprüche von Rosen und Kamelien.

Daß Kamelien exotische Schönheiten sind, steht außer Frage. Ihre Heimat ist Ostasien, Japan oder China, von wo sie erst seit Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa kamen. Die häufig anzutreffende Verteufelung exotischer Pflanzen in unseren Gärten ist allerdings völlig unberechtigt. Auf den ökologischen Wert vieler Exoten hat kürzlich der bekannte Gartenfachjournalist Jürgen Dahl nachdrücklich hingewiesen (in: GARTEN-PAVILLON, Informationen der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft, Nr. 19, S. 9). Seine Argumente treffen auf Kamelien voll zu.

Unterschiedliche Kulturansprüche von Rosen und Kamelien bestehen in der Tat. Können sich derart unterschiedliche Pflanzen in einem Garten nebeneinander überhaupt vertragen? Immergrüne Kamelien neben laubabwerfenden Rosen? Rosen lieben Sonne und Lehmboden und möglichst keine anderen Götter neben sich, Kamelien sind Moorbeetpflanzen (stimmt) und lieben Schatten (stimmt nur teilweise). Und dann die Konkurrenz der Blüten?

Wer sich Rosen nur in einem abgetrennten Rosengarten vorstellen kann, der ist freilich für die Idee, Rosen mit Kamelien zu kombinieren, kaum zu begeistern. Aber die Zahl der Rosenfreunde, die Rosen mit anderen Zierpflanzen mischen und die Monokultur von Rosen bewußt vermeiden - sowohl aus gestalterischen Gründen als auch wegen des bei Monokultur unvermeidlichen Spritzens - wächst zunehmend.

Wie gut sich Rosen und Kamelien vertragen, ist spätestens dadurch bewiesen, daß die älteste deutsche Rosenschule, der Rosenhof Schultheis in Bad Nauheim-Steinfurth, bereits seit einigen Jahren Kamelien in ihr Sortiment aufgenommen hat und jedes Jahr im Frühjahr, mit zunehmendem Erfolg, spezielle Kamelientage veranstaltet (im Jahr 2000 vom 28. März bis zum 1. April). Auch betriebswirtschaftlich bilden Kamelien eine hervorragende Ergänzung zu Rosen.

Wohlgemerkt Ergänzung, nicht Alternative! Gerade die großen Unterschiede in der Kultur lassen die Kombination von Rosen und Kamelien als besonders interessant erscheinen. Es gibt keine Konkurrenz!

Wenn die Rosen im Herbst aufhören zu blühen, fangen die ersten Kamelien - die Sasanquas - an. Und die Blütezeit der Kamelien dauert den ganzen Winter über an (in unseren Breiten nur im Gewächshaus oder im Wintergarten) und reicht bis Anfang Mai. Nur die frühesten Rosen schaffen es, die späten Kamelien zu verabschieden. Eine Blütenkonkurrenz von Rosen und Kamelien gibt es also gar nicht.

Vielfalt der Blüten
Dabei könnten die Kamelienblüten den Rosen durchaus Konkurrenz machen. Die Blüten sind einfach oder halbgefüllt, anemonen- oder päonienförmig oder vollständig gefüllt. Das Farbspektrum reicht von Weiß über Rosa bis Dunkelrot; Blau gibt es ebensowenig wie bei Rosen, richtiges Gelb auch nicht. Die Kultur von Kamelien als Zierpflanzen reicht in den Heimatländern der Kamelien - Japan und China - viele Jahrhunderte zurück, mindestens so lange wie unsere Rosenkultur. Die Zahl der Sorten ist unüberschaubar, weit über 30,000 (davon sind allerdings viele sehr ähnlich, nicht anders als bei den Rosen). Leider ist bei Kamelien der Duft nur sehr selten, ausgenommen bei den herbstblühenden Kamelien (den Sasanquas) und den speziell auf Duft gezüchteten Lutchuensis-Hybriden.

Wuchs
Was den Wuchs betrifft, sind Kamelien den Rosen eher überlegen. Als immergrüne Zierpflanzen mit attraktivem, meist dunkelglänzendem Laub sind sie das ganze Jahr über dekorativ, nicht nur während der Blütezeit. Der Wuchs ist, im Vergleich zu Rosen, sehr gering, so daß ständiges Düngen und Schneiden entfallen. Auch was Krankheiten und Schädlinge angeht sind Kamelien im Vergleich zu Rosen sehr viel weniger problematisch.

Lange Blütezeit
Besonders reizvoll bei Kamelien ist die lange Blütezeit eines Strauchs, da sich die Knospen nur nach und nach öffnen. So kann ein einzelner Strauch bei günstigen Bedingungen von Mitte März bis Anfang Mai blühen - welche andere Zierpflanze bietet das?

Kultur von Kamelien
Die besonderen Kulturanforderungen von Kamelien
• der Wurzelballen darf nie austrocknen
• hohe Luftfeuchtigkeit
• Anforderungen an den Standort
• Moorbeeterde
• Winterschutz
- und wie man diese Anforderungen auch bei weniger günstigen Bedingungen trotzdem erfüllen kann - beschreibe ich ausführlich in meinem Buch "Schöne Kamelien"

 

Gartengestaltung mit Kamelien
Als immergrüne Pflanzen mit attraktivem dunkelgrünem Laub und herrlichem Wuchs sind Kamelien schon als Grünpflanzen eine Bereicherung jedes Gartens. Die prallen Knospen, die sich im Juli/August entwickeln und bis zum Öffnen der Blüten stehen, tragen mit zur Attraktivität bei. Durch ihren kompakten Wuchs (Ausnahme: Sasanquas) eignen sie sich für jede Lücke im Garten. Eine Solitärposition - die wegen der Schönheit der Pflanze und der dekorativen Blüten durchaus gerechtfertigt wäre - kann wegen der Gefahr des Austrocknens bei uns nicht empfohlen werden. Die Sortenvielfalt ist ähnlich groß wie bei Rosen, eher noch größer. Für das Freiland sollte man aber vor allem Sorten wählen, deren Winterhärte bereits erprobt ist.

Das ist nur für einen verschwindend kleinen Anteil des riesigen Sortiments der Fall. Im Freiland werden die Blüten nicht ganz so groß und üppig wie unter Glas, und einfache oder halbgefüllte Blüten leiden bei schlechtem Wetter weniger als päonienförmige oder vollständig gefüllte. Und wer auf Harmonie Wert legt, sollte bedenken, daß sich die zarteren Farben mit unserer sonstigen Frühjahrsbepflanzung besser vertragen als satte Rosa- oder gar Rottöne.

Kamelien verleihen dem Garten einen ersten Höhepunkt von Mitte März bis Anfang Mai und, mit den Sasanquas, einen späten im September/Oktober bis November. Und wenn man Glück hat, bei längeren frostfreien Perioden, vereinzelte Blüten den ganzen Winter über. Sie verlängern damit das Gartenjahr ganz entscheidend und bereichern - obwohl Exoten - das Nahrungsangebot für die heimische Tierwelt enorm. Ganz abgesehen vom Gestalterischen liegt hierin auch ein erheblicher ökologischer Nutzen.

Kamelien in Töpfen
Wen der Kamelienvirus erst einmal erfaßt hat, der wird, angesichts der verlockenden Vielfalt von Sorten, bald auch dann nicht widerstehen können, wenn im Freiland kein geeigneter Platz mehr gefunden werden kann, oder wenn das örtliche Klima so rauh ist, daß eine Kultur im Freiland überhaupt nicht in Frage kommt. Dann bietet sich die Kultur in Töpfen an, für die sich Kamelien hervorragend eignen - unter einer Voraussetzung: daß man geeignete Räumlichkeiten für die Überwinterung bereitstellen kann. Einzelheiten hierzu sind in meinem Buch "Schöne Kamelien" ausführlicn beschrieben.

Kamelien in Töpfen bieten den Vorteil, daß man die gerade blühenden Exemplare dahin stellen kann, wo sie am besten zur Wirkung kommen. Das sich hartnäckig haltende Gerücht, man dürfe Kamelien nicht hin- und herstellen, ist falsch und unbegründet und beruht auf einem Mißverständnis. Mit Kamelien in Töpfen wachsen die Möglichkeiten der Gartengestaltung ungemein. Allerdings, dessen sollte man sich bewußt sein, machen Töpfe deutlich mehr Arbeit als Pflanzen im Freiland.

Mit Kamelien - ob im Freiland ausgepflanzt oder in Töpfen - eröffnen sich dem Rosenfreund völlig neue Möglichkeiten. Die endlos lange Zeit zwischen der letzten Rose des Herbstes und der ersten des Frühsommers kann mit Kamelien zu einer Wintergala werden. Und ganz abgesehen davon, daß Kamelien schon deshalb sympathisch sind, weil sie keine Stacheln haben - und auch sonst sehr viel pflegeleichter sind als Rosen -, sie helfen dem Rosenfreund über manche trostlose Zeit hinweg. Wenn das Wetter naßkalt oder sudelig ist, was Rosen ja überhaupt nicht mögen, dann ist wenigstens Kamelienwetter.

 

 
zurück zur vorherigen Seite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen:

 

 

 

Vorträge von Helga Urban:

• Kamelien für Rosenfreunde
• Harmonie und Vielfalt - ein Garten ganz in Weiß
• Bezaubernde Düfte im Garten

zurück zur vorherigen Seite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In unserem Buch "Schöne Kamelien" haben wir die unseres Wissens besonders winterharten Sorten durch 4 Sternchen gekennzeichnet. Wir haben jedoch auch sehr gute Erfahrungen mit Sorten gemacht, die wir mit "nur" 3 Sternchen gekennzeichnet haben. Es sind vermutlich noch viel mehr Sorten genauso winterhart, nur liegen darüber noch keine Erfahrungen vor.

zurück zur vorherigen Seite